10 Uhr, Zeit für den Ranger. Klaus reckte den Kopf aus dem Büdchenfenster und ja, von links rollte er an. Hinten im Drahtkorb des Rollstuhls klapperte der Gehstock mit den Abzeichen dran, als der Ranger übers unebene Pflaster vorm Kämpentreff fuhr. “Warum hat der immer den Stock dabei?”, dachte Klaus. Er hatte den Ranger nie laufen sehen. Der Rollstuhl hielt, der Ranger schob seinen Cowboyhut nach hinten, blickte auf. “Morgen, ein DAB.” Klaus holte die Flasche aus dem Kühlschrank, wie jeden Mittwochmorgen. Mittwochs DAB für den Ranger. Er schlurfte raus, drückte dem Alten die Flasche in die Linke. Der Ranger kratzte sich die grauen Bartstoppeln, holte sein Messer aus der Gürteltasche, hebelte den Deckel mit der stumpfen Seite ab. Er fummelte in der Brusttasche des Holzfällerhemds nach dem Strohhalm. Mittwochs der rote Strohhalm. “Prost, mein Lieber!” Klaus nickte ihm zu. Und heute fragte er: “Sach ma, warum immer der Strohhalm?” Der Ranger zog sich etwas vom Pils, schmatzte. “Komplementärkontrast. Grün-Rot, ne?” Klaus verstand nicht und um etwas zu sagen, kommentierte er, was er verstand: “Aber das Bier, das ist doch gelb.” Der Ranger kicherte. “Gelb, gelb, gelb. Recht haste, scheiß auf den Strohhalm!” Er warf das Plastikröhrchen hinter sich, legte den Kopf in den Nacken und lachte laut los.
Fotografier von Flickr-Mitglied On the run – vielen Dank fürs Teilen in der Flickr-Gruppe der Dinge auf der Straße!










