Natürlich nervt Spam. Unerwünschte Werbebotschaften wie "So werden sie von jeder Frau vergoettert!" oder "Gaming-Sensation in Europa" sind langweilig, abgenutzt und beleidigen die Intelligenz der meisten Empfänger. Wer fällt darauf schon rein?
Deshalb versuchen Spammer, sich nun mit skurrilen Botschaften ("Gott
übernimmt Verantwortung für Hurrikan") an den Mail-Filtern
vorbeizumogeln und die Aufmerksamkeit der Empfänger zu wecken
Das klappt sehr gut, wie die Einsendungen vieler Leser von SPIEGEL ONLINE zeigen. Sie haben ihre liebsten Spam-Gedichte und die bizarrsten Werbenachrichten aus ihren Postfächern ausgewählt.
Spam wird aufmerksam gelesen und goutiert - allerdings gar nicht im Sinne der Versender: Die Empfänger amüsieren sich über dilettantisch-komische Werbetexte, absurde Produkte und skurrile Software-Dichtung.
Schlecht für Spammer: Klicken, lesen, lachen - die beworbenen Produkte und Seiten interessieren kaum jemanden. Aber die paar, die doch reagieren, reichen offenbar, um die internationale Spam-Flut am Laufen zu halten.
Reiherhunger, hornige Mädchen und der Y-förmige Sarg - SPIEGEL ONLINE dokumentiert unfreiwillig komische Höhepunkte aus Werbemails:
Philosophische Betreffzeilen gegen die Wiedergeburt
Zwei kurze Sätze - Riesenwirkung. Viele Leser grübeln über die Bedeutung dieser Betreffzeile:
"Man lebt nur einmal - probier's aus!"
Dieser Rat ziert seit einiger Zeit Werbemails für Potenzpillen. Schlechter Schachzug der Spammer - die meisten Leser bleiben beim Betreff hängen, interpretieren, grübeln und kommen dabei gar nicht zu den Potenzversprechen der eigentlichen Nachricht. Einige Reaktionen grübelnder Leser:
Spam, der die Empfänger ratlos zurücklässt, über das Leben, den Sinn und all das grübeln lässt - aus Werbersicht keine gute Idee.
Übersetzungspannen, Verbindungsgebrüll und hornige Mädchen
Diese Spam-Nachricht kursiert seit einer kleinen Online-Ewigkeit im Web, ein Leser hat sie vor zwei Jahren archiviert. Begründung: "Ein Klassiker, der zum Löschen einfach zu schade war." Welch eine Ehre für Spammer, deren Nachrichten doch eigentlich so schnell wie möglich, am besten ungelesen, gelöscht werden. Kostproben aus der offensichtlich von einem miserablen Übersetzungsprogramm gefertigten Kontotrick-Mail:
Ganz ähnlich dürften andere Klassiker der Maschinenübersetzung entstanden sein, die Leser seit Jahren amüsieren:
Die "reizvollen Phasenmädchen" sollen die Empfänger dieser Spam-Botschaft erst am zweiten Tag treffen. Aber: "Zeit aus 30 Minuten."
Was immer das alles heißen soll.
Kopierkunst, Mutters Buhle und der ewige Erkl
"Spam-Lyrik vom Feinsten" lobt ein Leser diese wirre Werbenachricht, die offensichtlich ein Schreibautomat aus verschiedenen Texten zusammenkopiert und durchgerührt hat. Das Ergebnis sind Passagen wie diese:
Verrührt sind hier unter anderem Textfragmente aus Hesses "Siddhartha", dem "kleinen Prinzen" und sicher noch einigen anderen Quellen. Eigentlich sollte die Werbebotschaft Empfänger dazu verleiten, bestimmte Aktien zu kaufen.
Dürfte wohl nicht geklappt haben - denn das ist kein Spam, das ist Schwamm.
Gaga-Überschriften und Universal-Helfer für Willy
Eine derzeit sehr rege Spam-Software stückelt seltsam faszinierende Überschriften aus Online-Quellen wie dem Satiremagazin "The Specious Report" zusammen. Die bizarr getexteten E-Mails sollen Nutzer zum Download eines vermeintlichen Videos animieren, hinter dem sich tatsächlich ein Trojaner verbirgt.
Ein alter Trick - doch so amüsant hat das bisher wohl kein Trojaner-Spam versucht:
Wobei die von Menschen erdachten Betreffzeilen für Spam-Nachrichten bisweilen ähnlich komisch sind. Zum Beispiel die sehr kühne Betreff-Behauptung:
Pilz? Pills. Pillen eben. Pillen, wie sie wahrscheinlich auch in dem Werbetext zu dieser unnachahmlich debilen Betreffzeile angepriesen werden:
Fürsorgliche Spammer und Y-förmige Särge
Spam-Texter müssen wohl ständig neue Botschaften für die immer gleichen, angeblich potenzfördernden Mittelchen aus Online-Shops erfinden. Das erklärt vielleicht den unbedingten Willen zu neuen Ansätzen, der diese Spam-Nachricht so komisch macht:
Kommentar der Leserin, die dieses Werk in ihrem Spam-Eingang entdeckt hat: "Lang leben die blauen Pillen und diejenigen, die sie offensichtlich geschnupft haben. Anders kann ich mir so etwas nicht erklären."
Das Gegenstück ist diese Werbung für sogenannte "Vi-Tabletten", deren Verfasser die Sache bemüht einfühlsam angeht:
Da mag man kaum noch lachen bei so großem Einfühlungsvermögen.