Selten ist sich die Politik so einig wie beim Thema Geodaten. Im Streit über den Internetdienst Google Street View will die Bundesregierung vorerst nur besonders schwerwiegende Eingriffe in die Privatsphäre per Gesetz verbieten. Dazu zähle etwa die zielgerichtete Erstellung von Bewegungs- und Persönlichkeitsprofilen, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere nach dem Geodaten-Gipfel in Berlin. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) fordert im "Tagesspiegel": "Eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft reicht aus meiner Sicht nicht aus".
Sind Geodaten generell böse?
Aber was meinen die Minister eigentlich mit Geodaten? Die Aussagen klingen alle so, als sei ein Geodatendienst eine Landkarte mit Straßenfotos - Street View eben. Dabei gibt es eine Reihe neuer, nicht ganz so plakativ zu kritisierender Dienste, über die jeder nachdenken sollte, den Straßenpanoramen schockieren. Im Interview mit "Legal Tribune Online" deutet die Justizministerin das auch an. Google Street View sei sicher nicht das größte datenschutzrechtliches Problem, das größte Problem sei "die mögliche Verknüpfung der Datenberge, die Geodatendienste wie Google Street View anhäufen", erklärt sie.
Nun kann Google mit Street View gar nicht die Aufenthaltsorte einzelner Personen erfassen. Das wäre aber sehr wohl mit anderen Diensten möglich. Hier einige der Angebote, über die vor dem sogenannten Geodatendienste-Gipfel niemand spricht:
Das Problem bei der Anonymisierung: Je größer die Datensätze sind, desto leichter kann man die Identität des Nutzers rekonstruieren. Wenn nur Name oder Gerätenummer durch Pseudonyme ausgetauscht werden, lässt sich anhand der Bewegungsmuster schnell herausfinden, wo der Nutzer arbeitet, lebt, wann und wo er Urlaub macht - das kann genügen, um einen Namen zuzuordnen.
Das alles ist ungleich komplizierter zu erklären als Googles Straßenpanoramen. Wahrscheinlich waren deshalb beim Spitzengespräch zu Geodatendiensten auch nur bebilderte Landkarten ein Thema - nicht die Umgebungsscanner, zu denen sich Smartphones inzwischen entwickelt haben. Was Street View mit "der zielgerichteten Erstellung von Bewegungs- und Persönlichkeitsprofilen" zu tun hat, wird das Geheimnis des Bundesinnenministers bleiben.
Mit Material von dpa/AFP/Reuters
Diese Formulierung klingt einerseits nach einem Dementi, andererseits sagt sie nicht Konkretes darüber aus, ob Facebook nun ein Betriebssystem oder eine wie auch immer geartete Software für Mobilgeräte entwickelt, die über eine bloße Anwendung hinausgeht, mit der man auf das Facebook-Netz zugreifen kann.
Mehr Infrastruktur
Es könnte also durchaus sein, dass einige Facebook-Entwickler an einem Betriebssystem für Mobiltelefone arbeiten. Quellen des US-Fachdienstes "Cnet" bestätigen diese Vermutung. Facebook hat "Cnet" zufolge mit Mobilfunk-Unternehmen und Hardware-Herstellern über eine mögliche Kooperation bei der Entwicklung eines Mobiltelefons gesprochen und Anregungen für die Software gesammelt. Eine direkte Nachfrage von "Cnet", ob Facebook eine solche Kooperation plane, hat das Unternehmen nicht beantwortet.
Dieses Vorgehen würde zur bisherigen Facebook-Strategie passen. Das soziale Netzwerk entwickelt sich von einer Web-Seite zur Infrastruktur weiter, die Dritte in ganz unterschiedlichen Web-Angeboten, Anwendungen und Geräten integrieren können. Im Frühjahr hatte Facebook eine Reihe von Werkzeugen für Webseiten vorgestellt, mit denen die Betreiber Facebook-Funktionen integrieren können. Mit einem Klick auf die Aussage "Gefällt mir" können Facebook-Nutzer auf solchen Seiten zum Beispiel alles mögliche loben - Fotos, Texte, Kommentare anderer. Über das sogenannte Open Graph Protocol teilt Facebook mit den angeschlossenen Seiten Informationen über Vorlieben und Verhaltensweisen der Nutzer. Möglich wäre zum Beispiel das: Wer in seinem Facebook-Profil David Bowie als Lieblingsmusiker angibt, bekommt bei einem mit Facebook vernetzten Musikangebot im Web erst mal David Bowie zu hören.
Kooperationen mit Mobilfunkanbietern
Die Kooperationsstrategie zielt darauf ab, die Facebook-Infrastruktur möglichst eng in alle digitalen Angebote einzubinden. Googles Suchindex verzeichnet, wo was im Netz steht und wer darauf verweist. Facebook protokolliert hingegen, wie Nutzer mit Seiten interagieren, was sie empfehlen und auf welche Empfehlungen sie reagieren. Je mehr Anbieter Facebooks Dienste einbinden, desto besser wird die Datenbasis nutzbar, um zum Beispiel die Vorlieben bestimmter demografischer Gruppen daraus abzuleiten.
Da immer mehr Nutzer das Netz immer länger mit Mobilgeräten nutzen, ist die Integration der Facebook-Infrastruktur in diese Zugangsgeräte eine logische Konsequenz der bisherigen Anstrengungen des Unternehmens. Facebook arbeitet bereits mit Mobilfunk-Unternehmen zusammen: Im Mai hatte das Unternehmen Abkommen mit 50 Mobilfunkanbietern in 45 Ländern geschlossen, wonach Mitglieder künftig über die neu eingerichtete Seite 0.facebook.com kostenlos mit ihren Mobilgeräten auf das Netzwerk zugreifen können - zum Beispiel in Dänemark, Bolivien, Türkei, Indien, Uganda und Sri Lanka.Fraglich ist, ob eine wie auch immer geartete Einbindung der Facebook-Infrastruktur bei einem Mobiltelefon tatsächlich als Facebook-Telefon vermarktet werden wird. Google und Microsoft haben mit ihren unter eigenem Namen vermarkteten Geräten - Googles Nexus One und dem Kin - schlechte Erfahrungen gemacht. Die Geräte (deren Entwicklung von beiden Unternehmen vor Veröffentlichung dementiert wurde) waren bei weitem nicht so begehrt, wie es die Firmen erwartet hatten, Google und Microsoft beendeten diese Projekte.
Allerdings entwickeln außer Facebook alle Netz-Riesen weiterhin eigene Mobil-Betriebssysteme, die dann Hardware-Hersteller wie HTC und Samsung bei ihren Endgeräten einsetzen. Google hat mit seinem kostenlosen Android-System den Marktanteil binnen zwei Jahren vervielfacht - und bei Smartphones sogar Apple überholt. Facebook-Manager dürften schon lange über einer Reaktion auf diese Entwicklung grübeln - schließlich ist Facebook letztendlich ein Infrastruktur-Unternehmen.