Eigentlich gibt es gar keine neuen Geschäftsmodelle im Internet: Die einen verkaufen Werbeflächen (Google, Facebook), die anderen verkaufen etwas, das einigen Menschen Geld wert ist (Zuckerwattebäume in Zyngas Online-Spiel Farmville). Nicht viel Neues scheinbar. Solange man sich nicht die Zahlen etwas genauer anschaut.
Zum Beispiel den Umsatz, den ein Unternehmen im Jahr durchschnittlich pro Nutzer erwirtschaftet. Dieser Wert gibt einen Eindruck davon, wie gut das Geschäftsmodell eines Unternehmens funktioniert, wie viel Erlös das Publikum einbringt. Gut 19 Dollar pro Nutzer verdiente Google im Jahr 2010 den Berechnungen von SPIEGEL ONLINE zufolge, Facebook hat im selben Jahr schätzungsweise nur gut drei Dollar je Nutzer eingenommen (siehe Infografik unten). Das ist ein erstaunlicher Unterschied - schließlich verkaufen doch beide Unternehmen Werbung im Umfeld eines beliebten, kostenfreien Dienstes.Irgendetwas macht Google da im Moment besser als Facebook: Google nahm 2010 je Nutzer etwa sechsmal so viel ein wie das Soziale Netzwerk. Entweder bieten die Anzeigenkunden bei Google höhere Preise pro Klick. Oder: Ein höherer Anteil der Nutzer klickt auf Seiten mit Suchergebnissen auf passende Anzeigen zu den spezifischen Suchanfragen als auf die Banner im halb-privaten Umfeld eines sozialen Netzwerks, wo man sich eher gemütlich aufhält statt gezielt zu suchen.
Einige weitere Erkenntnisse aus den Daten:
Grundlage der Berechnungen sind Umsätze, Besucherzahlen, Gewinne und Firmenbewertungen von acht großen Online-Unternehmen im Jahr 2010, zum Teil beziehen sich die Zahlen auch auf das Jahr 2009 oder 2011, da andere Angaben nicht öffentlich sind. Die Angaben sind alle mit Vorbehalt zu interpretieren, sie skizzieren eher Verhältnisse als dass sie exakte Angaben zum Tagesgeschäft der Unternehmen liefern. Einige Zahlen stammen aus Interview-Äußerungen von Firmengründern oder Managern, einige von anonymen Insidern oder aus Prognosen. Um diese Unterschiede transparent zu machen, dokumentiert eine kommentierte Linksliste auf der Folgeseite alle Quellen. Wir haben zudem das Zahlenmaterial in einer Tabelle angehängt.
Quellen Jahresumsätze und -gewinne:
Quellen Firmenwert
| Web-Riesen: Umsatz, Besucher, Bewertung | |||||||
| Firma | Nutzer (Mio.) | Umsatz 2010 (Mio. Dollar) | Umsatz je Nutzer (Dollar, ge- schätzt) |
Firmenwert (Mio. Dollar) | Firmenwert je Nutzer (Dollar) | Jahresgewinn / -Verlust 2010 (Mio. US-Dollar) | Gewinn-/ Verlust marge |
| 1.000 | 19.444 | 19,4 | 199.700 | 199,7 | 8.500 | 44 | |
| New York Times Digital | 33 | 212 | 6,4 | 1.530 | 46,4 | 67 | 32 |
| AOL | 245 | 2.400 Anzeigen: 1.300 |
9,8 Anzeigen: 5,3 |
2.260 | 9,2 | -783 | 0 |
| 500 | 1.600 | 3,2 | 50.000 | 100,0 | 473 | 30 | |
| Zynga | 276 | 850 | 3,1 | 7.000 | 25,4 | 400 | 47 |
| Huffington Post | 25 | 30 | 1,2 | 315 | 12,6 | - | - |
| 160 | 140 | 0,9 | 3.700 | 23,1 | - | - | |
| Xing (2009) | 9 | 61 | 7,0 | 280 | 32,1 | -2 | -3 |
Die Tabelle zum Download als: XLS- / CSV-Dokument.