"Die Technologie soll verschwinden." Dieser paradoxe Satz fällt öfter bei der Vorstellung der neuen Erweiterungen von Microsofts Spielkonsole Xbox 360. Wobei Spielkonsole vielleicht nicht mehr der richtige Ausdruck ist. Denn, wie Microsoft-Manager Don Mattrick betont: Die Technologie soll verschwinden, damit man zum Beispiel auch "einfacher" fernsehen kann. Und das geht so: Man sagt der Konsole, was man sehen, hören oder spielen will.
Bei der kurzen Demonstration auf der Bühne funktioniert das ganz gut: Die Vorführerin spricht mit der Konsole, ruft so die verschiedenen Menüpunkte der Konsole auf - Spiele, Musik, Videos. Das überrascht niemanden, der mit der Sprachsteuerung seines Mobiltelefons arbeitet. Dann wird es interessanter: Microsoft ergänzt die Konsole in diesem Jahr um eine Schmalspur-Ausgabe seiner Suchmaschine Bing. Die durchforstet auf der Xbox alle verfügbaren Video-, Musik-, und Spieltitel aufs Wort. "Lego", sagt man, und die Xbox zeigt alle verfügbaren Lego-Spiele.
So eine Suchmaschine wird man wohl auch brauchen, wenn das Unterhaltungsangebot für die Xbox so stark wächst, wie die Manager versprechen. Für 2011 kündigt Microsoft "zehnmal so viele" Partnerfirmen an, die Fernsehen, Videos und andere Inhalte zuliefern. Welche das in Deutschland sein werden, ist derzeit nicht bekannt. Microsoft betonte aber, dass die Fernseh-Offensive im Herbst international sein wird, aufgezählt wurden dann aber nur Fernsehsender in Australien und Großbritannien. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE verhandelt Microsoft auch in Europa mit diversen TV-Anbietern - und das schon seit Monaten.
Microsoft will Nintendo überholen Microsoft setzt verstärkt auf die Steuerung durch Körperbewegungen. Das Kinect genannte System überzeugt offenkundig viele Menschen, sich die Konsole zuzulegen. Seit November 2010 verkauft Microsoft seine Kinect-Steuerung für die Xbox 360, im Mai meldete das Unternehmen 10 Millionen verkaufte Sensoren. Die neue Technik hat auch den Konsolenverkauf angekurbelt. Im ersten Quartal 2011 wurden 2,7 Millionen Stück verkauft - so viele wie in keinem Quartal zuvor. Microsoft-Manager Don Mattrick gab für 2011 diese Vorgabe aus: Man wolle die Xbox 360 weltweit zu bestverkauften Konsole machen. Bislang ist Microsoft weltweit Nummer zwei. Seit 2005 die Xbox 360 und 2006 die Wii und die Playstation 3 erschienen sind, haben sich die Verhältnisse klar entwickelt: Die Nutzung der Kinect-Steuerung für Unterhaltungsangebote könnte Microsoft einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz von Google und Apple verschaffen. Die Konzerne drängen alle ins Unterhaltungsgeschäft, mit Zusatzgeräten für Fernseher wie "Google TV" und "Apple TV". Jubel für wortreiche Gestensteuerung Spracherkennung und neue Ideen für die Bewegungssteuerung waren auch das große Thema bei den Spielevorstellungen. Einige Beispiele: Von denselben Entwicklern stammt auch das Programm "Googly Eyes", das mit Hilfe der Kinect-Kamera Gegenstände einscannt und aus den Daten ein dreidimensionales Modell errechnet. Wenn es so gut funktioniert wie bei der Vorführung, kann man vielleicht irgendwann mit einem digitalen Gegenstück des eigenen Skateboards herumfahren. Microsoft versucht mit aller Macht, die Xbox für Gelegenheitsspieler attrakiv zu machen. Für echte Fans gab es aber auch eine spannende Ankündgiung: 2012 erscheint der vierte Teil der legendären Reihe "Halo".